Destillate Andere
Am einfachsten holst du aus Destillaten mehr heraus, wenn du auf drei Basics achtest:
-
Glas: Ein kleines, leicht tulpenförmiges Glas bündelt Aromen besser als ein breites.
-
Temperatur: Moderat servieren – zu kalt macht vieles „stumm“, zu warm betont Alkohol.
-
Zeit & Wasser: Ein paar Minuten im Glas können helfen; bei kräftigen Destillaten kann ein kleiner Wasserzusatz Aromen öffnen (bei anisbetonten Stilen ist Wasser ohnehin typisch).
Und praktisch: Flaschen nach dem Öffnen gut verschliessen und dunkel lagern – bei sehr niedrigem Füllstand nimmt der Luftkontakt zu, wodurch Aromen über Zeit abflachen können.
Viele Destillate bewegen sich je nach Kategorie grob zwischen ca. 30% und 60% vol; einzelne Stile können darüber liegen.
Wichtig: Höhere Abfüllstärke bedeutet nicht automatisch „härter“ – sie kann auch mehr Duft und Struktur transportieren. Umgekehrt wirkt eine niedrigere Stärke oft zugänglicher, kann aber feine Aromen weniger stark tragen. Entscheidend ist die Balance zwischen Intensität, Textur und Klarheit.
Klare Destillate werden nach dem Brennen meist nur ruhen gelassen (z. B. in Edelstahl/Glas) und bleiben farblos – der Rohstoff und die Destillation stehen im Vordergrund. Gelagerte Destillate reifen im Holzfass und gewinnen dadurch Farbe, zusätzliche Aromen (z. B. Vanille, Gewürz, Röstaromen) und oft mehr Rundheit.
Ob klar oder gereift „besser“ ist, ist reine Stilfrage: Wer maximale Rohstofftypizität sucht, greift eher klar; wer Komplexität durch Ausbau mag, eher gereift.
Raki ist ein anisgewürzter Brand, häufig auf Trauben-/Rosinenbasis, der mit Anis aromatisiert und teils mehrfach destilliert wird.
Typisch ist das Servieren mit Wasser (und optional Eis): Dabei kann der Raki milchig werden – der bekannte „Louche“-Effekt entsteht, weil Anisöle bei niedrigerem Alkoholgehalt ausflocken. Geschmacklich wirkt Raki dann weicher, während die Anisnote deutlich bleibt.
Poitín (auch Poteen) ist ein traditioneller irischer Klarbrand, der historisch häufig in kleiner, nicht lizenzierter Produktion entstand. Typische Rohstoffe sind Getreide oder Kartoffeln.
Im Unterschied zu Whiskey steht bei Poitín meist der klare, direkte Brandcharakter im Vordergrund – oft ohne lange Fassreife. Moderne legale Abfüllungen können stilistisch variieren, bleiben aber meist „unverstellt“ und eher rohstoffbetont.
Baijiu ist eine grosse chinesische Kategorie von Getreidedestillaten – häufig aus Sorghum, aber auch aus anderen stärkehaltigen Rohstoffen.
Die Aromatik kann sehr verschieden ausfallen, weil je nach Region unterschiedliche Fermentationsstarter (z. B. qu) und Verfahren eingesetzt werden. Deshalb reicht das Spektrum von relativ mild bis sehr intensiv und komplex. Typische Alkoholstärken liegen oft im Bereich ca. 35–60% vol.
Aquavit (Akvavit) ist eine skandinavische Spirituose, deren charakteristisches Aroma vor allem von Kümmel und/oder Dill kommt; weitere Botanicals sind möglich.
Es gibt klare, frische Varianten und – besonders in Norwegen – auch fassgereifte Stile, die runder und würziger wirken. Aquavit wird je nach Land traditionell eher gekühlt oder bei moderater Temperatur serviert – das beeinflusst deutlich, wie intensiv Kräuter- und Gewürznoten wahrgenommen werden.
Korn ist ein Getreidebrand (traditionell aus Roggen, Weizen, Gerste oder Mischungen). Im Vergleich zu sehr neutralen Spirituosen wird Korn häufig so gebrannt, dass noch leichte Getreidenoten erkennbar bleiben. Typisch ist ein klarer Stil ohne Fassprägung.
Je nach Qualitätsstufe kann Korn sehr geradlinig oder erstaunlich aromatisch wirken – entscheidend sind Rohstoffqualität, Gärführung und die Sorgfalt beim Destillationsschnitt.
Neben den „grossen“ Kategorien existieren viele regionale Klassiker mit eigener Tradition:
-
Korn (Getreidebrand, v. a. Deutschland)
-
Aquavit/Akvavit (nordische Kümmel-/Dillspirituose)
-
Baijiu (chinesischer Getreidebrand, oft aus Sorghum)
-
Poitín (irische Tradition, klarer Brand aus Getreide/Kartoffeln, historisch teils illegal)
-
Raki (anisgewürzter Brand, v. a. Türkei/Balkan)
Solche Destillate sind spannend, weil sie zeigen, wie unterschiedlich Rohstoffe, Fermentation und Aromatisierung weltweit interpretiert werden.
Als Destillat bezeichnet man eine Spirituose, die entsteht, wenn man eine vergorene Flüssigkeit (z. B. aus Getreide, Früchten oder Wein) destilliert. Dabei werden Alkohol und Aromastoffe konzentriert, weil Alkohol bei tieferen Temperaturen verdampft als Wasser.
Destillate gibt es in sehr unterschiedlichen Stilrichtungen: neutral und klar (z. B. manche Getreidebrände), aromatisch (z. B. Anis- oder Kümmelspirituosen) oder gelagert (z. B. fassgereifte Varianten). Ob ein Destillat mild oder kräftig wirkt, hängt vor allem von Rohstoff, Destillationsschnitt, Filtration, Lagerung und Abfüllstärke ab.