
«Nicht von dieser Welt»
... das dachte sich Trader Vic, der 1944 das erste Mal den Mai Tai Cocktail kreierte. Geschichtlich und politisch war es eine aufgeladene Zeit nach der Prohibition in den Vereinigten Staaten von Amerika. Inspiration für den Cocktail waren Einflüsse von Übersee: Soldaten, die auf Inseln stationiert waren und ihre Geschichten mit nach Hause brachten. Ein inspirierender Mix aus Polynesien und der Karibik.
Die Cocktails kamen gut an, da die Menschen mit dem Genuss ein wenig aus der Realität fliehen konnten und durch die exotischen Aromen im Geiste in die Tropen transportiert wurden. Hauptzutat für den Mai Tai war ein mittlerweile legendärer Rum aus dem Hause Wray Nephew, ein 17-jähriger Rum mit erhöhter Alkoholstärke.
Diesen mischte er zusammen mit Mandelsirup, Orange Curacao, Rock Candy Sirup und Limettensaft. Eigentlich sehr simpel, aber nach dem sie ihn gemeinsam das erste Mal probiert hatten, meinte sein Freund Carrie Guild, der aus Tahiti stammte:
«Mai Tai-Roa Aé!»
Was auf Tahitianisch
«Nicht von dieser Welt-das Beste»
bedeutet. Das war für Trader Vic Grund genug, um seine Kreation Mai Tai zu nennen.

Der Mai Tai und Appleton
Über die Jahre hinweg veränderte sich der Cocktail und passte sich den wechselnden Präferenzen der Konsumenten an, was dazu führte, dass er mit frischen Säften, unter anderem Ananassaft, zubereitet wurde. Seit einiger Zeit geht der Trend aber wieder zu den Ursprüngen zurück. Barkeeper und Mixologen versuchen Rezepte aus vergangenen Jahren wieder zu beleben und sich so nahe wie möglich an den Originalrezepten zu orientieren. Wray Nephew akquirierte bereits 1916 Appleton Estate und gemeinsam wurden sie vor einigen Jahren Bestandteil der Campari Group. Beheimatet im schönen Nassau Valley produzieren sie streng nach jamaikanischen Vorschriften Rum aus Melasse, dessen Zuckerrohr zu 100% in Jamaica angepflanzt und kultiviert wird. Zusammen mit dem durch Kalkstein gefilterten Wasser, der eigenen Hefe sowie der Pot- und Columstills entsteht ein Rum, der seinesgleichen sucht.
Rezept: Mai Tai
Zur Standard Range gehören der Signature Blend, 8, 12, 15 sowie der 21 jährige Rum - nebenbei bemerkt ist das jeweils das Mindestalter der enthaltenen Rums. Doch nochmals zurück zum Mai Tai. Appleton entschied, dem legendären Wray Nephew 17 Overproof Tribut zu zollen und veröffentlichte ein Replica mit dem Namen Appleton 17 Year Old Legend. Durch die spezielle Herstellungsmethode und anhand der Informationen aus den Archiven von Appleton kreierten sie diesen einmaligen Release mit sehr limitierter Auflage (1500 Flaschen weltweit).
Wer nicht Jäger des verlorenen Schatzes spielen will, nimmt am besten den Appleton 8 für den perfekten Mai Tai.
- 2 Teile Appleton Estate 8 Year Old Reserve
- 0.5 Teile Frisch gepresster Limettensaft
- 0.5 Teile Orange Curuçao
- 0.5 Teil Mandel Sirup (Orgeat)

Joy Spence
Vor einigen Jahren hatten wir das Glück und absolute Privileg, mit Joy Spence, der Master Blenderin von Appleton Estate zu sprechen. Sie hat uns einige Fragen über die Welt des Rums beantwortet.
Joy Spence ist in Jamaika geboren. Sie studierte analytische Chemie an der University of the West Indies in Kingston und in Loughborough, Grossbritannien. 1981 kam sie als Chefchemikerin zu Appleton Estate, seit 1997 ist sie Master Blenderin des Unternehmens. 2005 ehrte die jamaikanische Regierung Joy Spence für ihre herausragenden Leistungen in der Industrie mit einem Offiziersrang.

Kann man Master Blender lernen oder muss man dazu geboren sein?
Die sensorischen Skills sind angeboren, man muss sie mitbringen. Mit unseren Studenten machen wir zuerst ganz einfache Tests: Schmecken sie süss, sauer, bitter, salzig? Das ist für viele gar nicht so einfach und die Leute, die es können, testen wir dann mit verschiedenen Aromen, ob sie diese in der Nase unterscheiden können. Ich hatte das Glück, eine gute Nase geschenkt bekommen zu haben. Einen hervorragenden Rum zu machen, ist aber Kunst und Wissenschaft.
Sie haben lange Erfahrung in Ihrem Beruf – was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Ich arbeite seit 36 Jahren bei Appleton Estate, das ist schon eine lange Zeit. Vieles wurde modernisiert während dieser Jahre: in der Produktion, im Labor, überall. Das Wissen über die Prozesse hat zugenommen. Und was am meisten auffällt: Die Nachfrage nach Premium-Rum wird grösser. Analog zu Whisky und Bourbon zum Beispiel: Die Menschen wollen elegante Cocktails und legen mehr Wert auf hochwertigen Rum – kleine, feine Abfüllungen, die man auch sammeln kann.
Würden Sie Appleton Rum in einer Blinddegustation erkennen und wenn ja, woran?
Aber sicher würde ich meinen Rum erkennen. Das unvergleichliche Aroma – besonders sind für Appleton ja die Orangenoten, die würde ich immer und überall erkennen.
Was sind die wichtigsten Faktoren für die Qualität eines Rums?
Es braucht verschiedene Elemente: einerseits das geeignete Land für die Zuckerrohrpflanzen, das Terroir wie auch beim Wein, das gute Wasser, das Know-how der Spezialisten, die richtigen Geräte und Stills sowie die richtigen Fässer, bei uns immer aus derselben amerikanischen Eiche, die im richtigen Klima gelagert werden müssen – und andererseits die Skills der Master Blender natürlich.
Der Standort der Lager: Wie wirkt sich dieser auf die Reifung aus?
In unserem tropischen jamaikanischen Klima reift der Rum dreimal so schnell wie zum Beispiel der Whisky in Schottland. Eine Ursache sind die Wärme und die Feuchtigkeit, am wichtigsten aber sind die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht.
Sehen Sie eine Zukunft für eine nachhaltige Produktion?
Appleton Estate hat schon einige Initiativen für nachhaltige Produktion ergriffen: Rauchfilter – aus unseren Kaminen entweicht nur Dampf – energiesparende Heizmethoden und biologische Fermente für die Zuckerrohrgärung. Wir haben schon viel getan und werden uns weiter für nachhaltige Produktion einsetzen.
Welchen Rumstil vertritt Appleton, und wie finden Sie diesen?
Wir stellen einen Rum her mit einem reichen, vollen Körper, der an alle Kategorien von Spirituosen angelehnt ist, an Whisky, Cognac, Bourbon ... Personen, die diese gernhaben, werden auch Appleton mögen. Ich gestalte die Blends, wie ich sie am besten finde, und freue mich, sie mit der Welt zu teilen. Es ist eine schöne Erfahrung, positive Feedbacks zu bekommen.
