Melasse
Statt „gut/schlecht“ hilft bei Melasse-Rum meist die Frage: Wofür soll er passen?
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Für leichte Drinks eignen sich oft hellere, eher „cleane“ Stile (häufig Column-lastig).
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Für aromatische Cocktails oder Purverkostung sind häufig gereifte, kräftigere oder pot-still-betonte Abfüllungen spannender.
Orientiere dich an Abfüllstärke, Hinweisen zu Fassreife (falls vorhanden) und – wenn angegeben – am Brennverfahren. Je transparenter die Angaben, desto leichter wird die Wahl.
In der EU liegt die Mindestalkoholstärke für Rum bei 37,5% vol.
Diese Grenze ist praktisch, um Kategorien zu unterscheiden: Produkte darunter oder stark anders zusammengesetzte Getränke können anders bezeichnet sein (z. B. „Spirit Drink auf Rum-Basis“). Für den Vergleich im Regal lohnt es sich deshalb, immer auch auf die % vol. zu schauen.
Durch Fassreifung kommen zusätzliche Aromen ins Spiel – typischerweise Vanille-, Gewürz- und Röstaromen sowie mehr Rundheit und ein längerer Abgang. Wie stark dieser Einfluss ist, hängt von Fassart, Lagerdauer und Klima ab. Bei Melasse-Rum kann die Kombination aus Fermentationsaromen und Holz besonders viel Tiefe entwickeln.
Dunkle Farbe entsteht bei Rum meist durch Fassreife. Sie sagt aber nicht sicher, ob der Rum aus Melasse oder aus Zuckerrohrsaft stammt. Umgekehrt kann ein Rum klar/„weiss“ sein, obwohl er kurz gereift und danach filtriert wurde. Der Rohstoff steht selten direkt „in der Farbe“, sondern eher in der Stilbeschreibung/Herstellerinfo.
Beim Pot Still (klassische Brennblase) bleiben oft mehr schwere Aromakomponenten erhalten – das kann mehr Körper und Intensität geben. Column Stills (Kolonnen) erzeugen häufig leichtere, „cleanere“ Destillate. Viele Produzenten kombinieren beides in einem Blend, um Balance aus Struktur und Trinkfluss zu erreichen.
Die Fermentation ist einer der grössten Aromatreiber: Je nach Hefestamm, Dauer und Führung entstehen unterschiedliche Nebenprodukte wie Ester, die zu fruchtigen, würzigen oder auch sehr intensiven Noten beitragen können. Darum können zwei Melasse-Rums trotz gleicher Basis völlig unterschiedlich schmecken.
Der Kernunterschied ist der Rohstoff: Melasse-Rum startet mit Melasse, während Zuckerrohrsaft-Rum (z. B. viele Agricole-Stile) aus frischem Zuckerrohrsaft vergoren und destilliert wird. Saftbasierte Rums wirken oft „grüner“ und pflanzlicher, während Melasse-Rums häufig mehr Spielraum zwischen leicht/neutral und tief/würzig bieten – je nach Fermentation, Destillation und Fass.
Vereinfacht läuft es so ab: Melasse wird mit Wasser verdünnt, mit Hefe vergoren (Fermentation) und das Ergebnis anschliessend destilliert. Danach kann der Rum direkt abgefüllt werden (z. B. als leichter weisser Stil) oder für mehr Komplexität in Holzfässern reifen. Wie aromatisch der Rum wird, hängt stark von Fermentation, Brennverfahren und Reifung ab.
Melasse ist der zähflüssige Sirup, der übrig bleibt, nachdem aus eingedicktem Zuckerrohrsaft Zuckerkristalle gewonnen wurden. Sie enthält noch Restzucker sowie mineralische und aromatische Bestandteile – und eignet sich deshalb gut als Basis für Gärung und Destillation.
Melasse-Rum ist Rum, der aus Melasse hergestellt wird – einem dickflüssigen Nebenprodukt der Zuckerproduktion aus Zuckerrohr. Melasse wird vergoren und danach destilliert; je nach Stil kann der Rum anschliessend ruhen oder im Fass reifen. In der EU-Definition ist Rum unter anderem als Destillat aus der alkoholischen Gärung von Melasse oder Sirupen aus der Zuckerrohrzucker-Herstellung beschrieben.